Einkäufer, Iphone und Verkaufs-Verhinderer

Was Vodafone von einem Einkäufer und einem kleinen Sonnenstudio lernen kann

Herr M ist Einkäufer in einem in Bremen ansässigen internationalen Unternehmen. Seit geraumer Zeit beschäftigt er sich mit dem Verkaufen, weil er zum einen genau weiß, dass dies seine „Gegenseite“ ist, die versucht, ihn zu überlisten und zum anderen muss auch er verkaufen: nämlich Preisgrenzen bei seinen Wunschlieferanten. Außerdem ist es ja nie ein Fehler, wenn man weiß, wie andere Menschen funktionieren.

Einkäufer trifft auf aktive Verkaufs-Verhinderer

Herr M ist nicht nur Einkäufer, sondern auch ein ganz normaler Kunde. Sein Gehirn entscheidet genauso wie viele andere Gehirne über Vertrauen entscheiden. Ein großer Name, den die Werbung uns permanent einhämmert, und ein hoher Preis, das MUSS auch gleichzeitig Qualität und Sicherheit bedeuten! Zudem ist ja der klassische Einkäufer tatsächlich ein Mensch, der Sicherheit bevorzugt. Herr M steht jedenfalls dazu. Ein Branchenkollege von mir hat allerdings mit Einkäufern als „leichte Beute“ geworben, deshalb ist er dort schon mal nicht hingegangen. Herr M ist schließlich nicht nur Einkäufer und Kunde, sondern auch ein Mensch und trotz, dass er Qualität bevorzugt und gerne viel Geld ausgibt, wenn er dafür auf der sicheren Seite ist, hat der Kollege (der eher zu der hochpreisigen Riege gehört) den Zuschlag nicht bekommen. Als Beute wird eben niemand gern bezeichnet.

Nun begab es sich, dass Herr M ein neues Handy benötigte. Der Akku seines Blackberry gibt den Geist auf und bevor es zu spät ist, muss er dafür sorgen, dass er erreichbar bleibt. Da ich irgendwann mal gesagt habe, ich benutze seit bald 10 Jahren nur noch Apple Geräte, weil sie so einfach und intuitiv bedienbar sind, rief er mich an und fragte nach meinem Modell. Gesagt, getan. Herr M fuhr zu Vodafone in die Bremer Innenstadt. Im ersten Shop begann die Verkäuferin mit der Bedarfsanalyse. „Was muss das Handy denn können?“ Vielleicht nicht ganz zeitgemäß, was junge Leute und technische Finessen angeht, aber Herr M sagte: „Das, wozu es da ist: Telefonieren. Möglichst lange und stabil.“ Ob die Kamera wichtig sei? „Nein, überhaupt nicht.“ Sie zeigte ihm daraufhin ein Samsung Handy und auf die Frage, was daran besonders sei, antwortete die Verkäuferin: „Die Kamera!“ What? Ok neuer Versuch. Herr M lenkte sie in die richtige Richtung, dass er sich für das I-Phone 8 interessiere. Die Verkäuferin selbst sei allerdings vom Huawei total begeistert… Aua! Herr M wurde nun ganz deutlich: „Ich möchte jetzt gerne ein I-Phone 8 kaufen und bar bezahlen.“ Die Antwort der Verkäuferin: „Das geht nicht.“ Nur das Handy könne er nicht kaufen. Herr M vergewisserte sich: „Verstehe ich Sie richtig, dass Sie meine 680,- Euro nicht wollen?“

Versuch macht „kluch“ – 2. Runde

Herr M als Bürger der fast-Weltstadt Bremen verließ den Ort des „Verkaufs-Verhinderns“ und ging in den nächsten Vodafone Store. Ja, wir haben mehrere im Centrum! Dort ging er standepede auf einen Verkäufer zu und sagte: „Guten Tag, ich möchte ein I-Phone 8 kaufen, hier und jetzt mit Bargeld.“ Der Verkäufer war – oh Freude – am Umsatz interessiert und tippte alles ein. In den letzten Zügen wollte er den Kauf mit dem Kundenkonto von Herrn M verbinden und in dem Moment geschah es: „Oh, ich kann Ihnen das Handy mit Ihrem Vertrag nicht verkaufen, Sie können es nur online bestellen.“ Wohlgemerkt, der Kaufvertrag war fertig, das Handy lag im Nebenraum auf Lager. Ich spare mir weitere Ausführungen an der Stelle…

Ein letzter Versuch des Tages wurde bei Saturn gestartet. Ich vermute, Saturn bedient dort inzwischen alle verschmähten Vodafone Kunden, denn sie waren ausverkauft. Auch ich habe nach meinem letzten Vodafone-Erlebnis meinen neuen I-Pad Vertrag mit Saturn gemacht. Gleiches Netz, aber günstiger und ein ganz toller Service. Überhaupt liebe ich Saturn, seit ich einst dort mit einer Seminargruppe an einem 23.12. Testkäufe in der Technikabteilung durchgeführt habe. Die Berater strotzen nur so vor Kompetenz und Freundlichkeit, auch wenn um sie herum die Hütte brennt. Saturn verdankt dieser Tatsache auch schon eine Waschmaschine und etliche PC’s samt Zubehör. Die Empfehlungen an Freunde nicht zu vergessen!

Best Practice – Ein Solarium in Horn

Gestern wollte ich auf dem Nachhauseweg eine Portion Farbe tanken in meinem Stamm-Solarium, genauer gesagt „Ihr Sonnenstudio“ in der Leher Heerstraße. Ich wurde wie immer fröhlich begrüßt. Wie lange ich nicht mehr gesonnt hätte, denn es gäbe eine neue Bank. Die Zauberworte „Kollagen“ und „Wellness“ sind sofort gefallen. Beim Einbuchen habe ich festgestellt, dass ich meine Bonuskarte vergessen habe. Kein Problem, die junge Frau strahlt: „Dafür haben wir schon extra Zettel zum Nachtragen vorbereitet“. Sie verschwand auch nicht hinter verschlossenen Türen, sondern ich durfte beim Reinigen der Bank zusehen. Das schafft Vertrauen. Sie hat mich geduldig in das System eingewiesen, wo ich mein Handy koppeln kann, um eigene Musik zu hören, wo ich den Duft während der Besonnung einstellen kann, ob ich eine kleine Wasserdusche währenddessen mag, etc. Als ich mir ein Körbchen mit Augenschutz, Handtuch, Bonbons und Deo schnappen wollte, sagte Sie: „Nein, nein. Das habe ich Ihnen schon neben der Bank bereit gestellt“. Nach der Sonne fragte sie mich, ob es mir gefallen hat und ob ich grundsätzlich an neuen Kosmetika interessiert sei. Welch Frage, ich bin eine Frau 🙂 Sie erklärte mir die neuen Produkte und konnte mir auch sagen, was andere Kunden darüber denken und was sie selbst beobachtet hat. Natürlich benutze ich das nächste Mal eine kleine Ampulle aus Ihrer Empfehlung!

Fazit

Ich hatte für 10,- Euro einen karibischen Kurzurlaub von 12,5 Minuten plus eine erstklassige Beratung und meine Wünsche waren erfüllt, bevor ich sie aussprach. Und das in einem kleinen Sonnenstudio am Rande der Stadt, wo sich aber immerhin gestern trotz 22 Grad die Kunden die Klinke in die Hand gaben. Gute Arbeit kann nun mal nicht anders, als begeisterte Menschen anziehen und ich sage extra Menschen und nicht Kunden. Herr M hat inzwischen sein I-Phone im Internet bestellt. 2 Bremer Vodafone Stores sind umsatzfrei geblieben und auch der Branchenkollege hat auf bares Geld mit einem super Sparringspartner verzichtet, mit dem er viel Freude gehabt hätte, weil er leichtfertig Einkäufer als Beute bezeichnet hat.

Macht was aus dem Wissen Leute… Viel Erfolg, gute Geschäfte und tolle Beziehungen!

Einkäufer, Iphone und Verkaufs-Verhinderer