Digitalisierung schulen

Mitarbeiter schulen in digitalen Zeiten

Laut einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom im November 2017 befürchten etwa 1/4 der deutschen Unternehmen, dass die Digitalisierung auf Dauer ihre Existenz bedroht. Etwa 3,4 Millionen Arbeitsplätze könnten nach einer Hochrechnung unter 500 befragten Unternehmen bis 2022 direkt davon betroffen sein. Fast 1/3 der Unternehmen zieht deshalb sogar in Betracht, sich bereits vorab zu verkleinern.

Und tatsächlich hat die Digitalisierung bereits ganze Berufsbilder verändert, siehe den KFZ-Mechatroniker. Einst schwang er als Mechaniker den Schraubenschlüssel, heute das elektronische Auslesegerät zur Fehlersuche. Etwa die Hälfte unserer aktuell 330 Ausbildungsberufe ist zumindest in ihrer Erscheinungsform bedroht.Während der Einzelhandel noch stark hinterher hinkt, nutzt im Finanzdienstleistungsbereich schon etwa jedes 2. Unternehmen künstliche Intelligenz. Daten auswerten können nämlich auch Roboter. Und wisst Ihr, wie oft Ihr mit einem Chatbot chattet statt mit einem Mitarbeiter aus Fleisch und Blut? Es ist auch kein Mensch, der mitten in der Nacht unsere Passwörter zurücksetzt, wenn wir es mal wieder vergessen haben. Und wie schaffen es Apps, eine abfotografierte Visitenkarte in einen Kontakt im Telefon umzuwandeln? Wieso werden wir bei Vodafone & Co. erst nach einer Vorselektion zu einem Menschen durchgestellt?

Das Problem ist jedoch, dass sich viele die Digitalisierung immer noch als ein separates Geschäftsfeld vorstellen. Das ist sie aber nicht, sie ist spürbar überall. In dem Zuge müssen wir inzwischen auch anders schulen.

Auch der Kunde hat sich verändert

Dank der hohen Informationsdichte des Internets sind Kunden heute selber Experten für die Produkte, die sie kaufen wollen. Wenn sie das erste Mal vor einem Verkäufer stehen, brauchen sie eine Art Coach und niemanden, der ihnen die Produkte „umhängt“. Sie brauchen einen gut gelaunten, höchst empathischen, sich mit Angebot, Marke und Beruf identifizierenden Partner auf Augenhöhe, der genau weiß, was er tun muss, um es dem Kunden leicht zu machen, bei ihm zu kaufen. Dieser Partner muss außerdem wissen, wo er seine Kunden findet – z.B. in sozialen Netzwerken bzw. überhaupt in Netzwerken – und er muss die aktuellen gesellschaftlichen und ökonomischen Trends kennen, denn diese begründen die Ansprüche des Kunden.

Was nicht mehr funktioniert, ist der mürrische Mitarbeiter von oben herab, der am Schreibtisch sitzt, bis der Kunde von selber kommt, nur einen Standardtext kann und alles erst nachlesen muss. Ich behaupte einfach mal, nur die Guten werden bestehen! Warum? Der Kunde von heute sucht nicht mehr, er googelt. Und Google wiederum hilft ihm durch das sogenannte Tracking und Targeting (Online Marketing Tools). Er hat es gar nicht nötig, da zu kaufen, wo er gerade angepampt oder verärgert wurde, denn das Internet schlägt ihm sogleich entsprechend seinen Suchanfragen automatisch weitere Anbieter vor, wo er bekommt, was er will.

Corporate Identity & Unternehmenswerte schulen

Weiß jeder einzelne Eurer Mitarbeiter, wer Ihr seid und wie Ihr von Eurer Umwelt wahrgenommen werden wollt? Oder ist Corporate Identity nur etwas, was Ihr in Form von einem Logo auf Homepage, Briefpapier und Visitenkarte lebt? Ihr habt schließlich einst mit viel Mühe ein Unternehmensimage kreiert, Euch Gedanken gemacht, einen Businessplan verfasst. Warum also nicht jetzt erst recht? Und wenn Ihr es nicht selbst getan habt, dann die Geschäftsführung, Konzerngründer, wer auch immer. Lasst das nicht versanden, nutzt das Werkzeug. In diesen Zeiten braucht Ihr Wiedererkennungswert mehr denn je.

Der Kunde kommt zu Euch, weil ihn irgendetwas an Eurer Identität angezogen hat und er will sein Werteverständnis im ganzen Unternehmen wiederfinden. Von der Unternehmensphilosophie bis hin zum Hausmeister sollte in einem modernen Unternehmen heute Marke ganz groß gelebt werden. Die Marke ist das, was Gefühle im Käufer auslöst. Und jedes einzelne Rädchen ist ein Unternehmensbotschafter. Wenn eines dieser Rädchen versagt, erfährt just die ganze Welt davon – via Facebook. Im Schnitt hat der User dort 130 Freunde, Tendenz steigend. Das sind 130 Personen, die davon erfahren, wenn Ihr etwas „versemmelt“ habt. Zumal wir das alle kennen, wir werden nämlich online plötzlich mutig und schreiben Klartext. Der kann echt böse sein.

Welche Fähigkeiten auf- und ausbauen?

  • IT und Online-Kompetenzen. Und diese sind mehr als nur der Umgang mit Hard- und Software. Das ist auch verantwortungsvoller Umgang mit Daten und eine gesunde Technikfolgenabschätzung. Ferner das Suchen und Bewerten von brauchbaren Quellen. Je nach Job wären auch Programmiergrundkenntnisse gut. Auf jeden Fall aber sollte jeder digitale Medien einbinden können.
  • Die eigene Lernkompetenz und -bereitschaft
  • Strategieverständnis und unternehmerisches Denken. Lasst uns Eure Mitarbeiter zu mitdenkenden Größen heranziehen. Wer mitmachen darf, ist umso engagierter.
  • Teamfähigkeit sowie interdisziplinäres und vernetztes Arbeiten. Viele große erfolgreiche Unternehmen nutzen die Wir-Intelligenz. Jeder kann etwas und das soll er dazu beitragen.
  • Kreativität & Abstraktionsvermögen sowie Querdenken, aber auch Strukturiertheit und Prozessdenken
  • Agile Methoden wie Design Thinking oder Scrum. Mitarbeiter als auch Unternehmen müssen in der Lage sein, schnell auf Veränderungen zu reagieren. In kurzen Umsetzungszeiten konkrete Ergebnisse liefern lautet das Credo. Es gibt tolle Workshop-Formate bereits ab 1,5 Stunden, in denen man viel bewerkstelligen kann.
  • Und natürlich nach wie vor Empathie sowie Kommunikationsfähigkeit. Unterm Strich könnt Ihr gegenüber Maschinen noch als Menschen punkten. Dazu müsst Ihr Menschen mögen und verstehen. Beim Verstehen kann ich Euch helfen, beim Mögen nicht 🙂

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