kunden artikel knowbody is perfect

Woran erkennst Du den perfekten Kunden?

Ja, woran erkennt man ihn? Den perfekten Kunden? Den, an dem man kostendeckend und natürlich auch gewinnbringend verdient. Den, der Dich hinterher nicht mit „Reklamationen“ in Schach hält, die eigentlich gar keine sind. Den, der unkompliziert unterschreibt, ohne viel Tamtam. Den, mit dem Du keine merkwürdigen Diskussionen führen musst, sondern den, zu dem Du eine tolle Beziehung aufbaust. An dem man einfach nur Freude hat, der quasi Dein Freund wird…

Ich sage es Dir: Du erkennst ihn gar nicht! Jedenfalls nicht von außen. Es ist nicht der, den Du anhand seiner Kleidung in eine soziale Schicht einordnest. Es ist nicht der, der mit einem teuren Auto vorfährt. Es ist nicht der, der an der Bar Champagner bestellt. Außer Du willst ihm etwas von Gucci verkaufen oder ein noch teureres Auto vielleicht. Dann hast Du gute Chancen, sein Selbst mit Deinem Angebot auf eine noch höhere Ebene zu erheben.

Ich möchte heute ein paar Beispiele bringen. Vor Jahren – ich war bekanntlich bei einem großen bayrischen Fahrzeughersteller beschäftigt – kam ein Herr mit einem kleinen Fahrzeug und wollte einen Ölwechsel machen lassen. Man schickte ihn weg mit einem Termin in zwei Wochen. Na gut dachte er sich und kam tags drauf mit einem Oberklassefahrzeug wieder. Man hofierte ihn, der Ölwechsel sollte sofort gemacht werden. Wütend zog er von dannen und ward nicht wieder gesehen. Zurecht!!! Wo solche Unterschiede gemacht werden, wollte er gar nichts kaufen. Er war am Vortag mit dem Auto seiner Frau da. Ich grinste mir ins Fäustchen, war ich doch selbst öfters den Sprüchen meiner Kollegen ausgesetzt, wieso ich mir so viel Mühe um jeden dahergelaufenen Kunden machte, selbst wenn er nur was für den kleinen Geldbeutel kauft. Und ich bin mir nach wie vor sicher, dass das der richtige Weg ist. Behandle jeden, wie Du auch behandelt werden willst.

Auch ich gehöre zu den Kunden

Mir selbst ging es nicht besser. Ich engagiere mich gern an Stellen, wo andere nicht so gerne hinschauen und kam grad von einer Gruppe Menschen mit Suchtproblem, als mir der Gedanke kam, ich könnte mir neue Stiefel kaufen. Nun besuche ich diese Menschen nicht in meinen besten Klamotten, um ihnen nicht unter die Nase zu reiben, was sie sich nicht leisten können. Ich betrat Roland Schuhe in Bremen und wurde… Naaaaaa? Nicht angesprochen. Sträflich missachtet, nicht mal ein gequältes „Kann ich Ihnen helfen?“. Ein paar Stiefel für 180,- Euro in der Hand, aber nichts passierte. Nachdem ein anderer Laden die Stiefel in meiner Größe nicht mehr hatte, musste ich sie leider (!!!) doch bei Roland kaufen.

Vor kurzem, ganz ähnlich, diesmal hatte ich im Internet ein paar Adidas Sneakers entdeckt, Modell Superstar 80’s Metal Toe. Nur für den Fall, dass es Dich interessiert. Genau mein Geschmack, da sie nicht komplett nach Turnschuh aussehen, aber dennoch bequem sind. Dieses Mal kam ich von einem Business Termin und sah dementsprechend aus. Ich schlappte also voller Vorfreude bei Karstadt Sport rein und wieder…. Nicht angesprochen! Leute, was ist los mit Euch??? Nein, Ihr habt Recht, ich sah nicht besonders sportlich aus, aber Ihr hattet Eure Chance, ich habe sogar extra suchend herumgeschaut. Ihr habt mich übersehen oder Ihr wolltet mich übersehen. Ich habe im Internet bestellt und ich möchte Euch nicht noch einmal quieken hören, das Internet nimmt Euch Eure Kunden. Ihr selber nehmt Euch Eure Kunden, denn Ihr meint, sie zu kennen und in Wirklichkeit steckt Ihr sie in Schubladen.

Fairplay & Persönlichkeit

Vor einer Weile rief ein Herr vom Bund der Steuerzahler an und wollte den Geschäftsführer sprechen. Ich erwiderte, das sei ich. Ob er das denn nicht auf meiner Homepage gelesen hätte. Antwort: „Frau Schnakenberg, ich muss so viele Anrufe am Tag tätigen, da hab ich keine Zeit, zu gucken“. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass er mich nicht überzeugen konnte, oder? Dann rief ein Herr von einer renommierten PR-Agentur an und erzählte mir, er wolle mich für ein Interview gewinnen, einen Bericht über meine Tätigkeit. Ich vereinbarte einen Termin, trotz, dass ich wenig Zeit hatte, aber es klang ihm wichtig. Als ich ihn googelte, sah ich auf den ersten Blick, dass er mir in Wirklichkeit etwas verkaufen will. Termin abgesagt. Nächster Anruf, sein Chef wollte das wieder gut machen. Zwei Treffen. Zum letzten Termin hatte ich sogar eine Freundin mitgenommen, mit der ich geschäftlich zusammen arbeite. Auch sie hatte wenig Zeit, aber ich sagte ihr, dieses Treffen sei gut investiert, er bringt konkrete Zahlen mit, er hat alles schon vorbereitet. Nichts, aber es wurde deutlich, dass ich offenbar nicht bereitwillig genug zeigte, dass ich genug Geld und zwar zeitnah ausgeben wollte. Schließlich konnte ich noch Förderungen für junge Unternehmen in Anspruch nehmen. Vielleicht war mein Fehler, auch zum Vergleich nach einem kleinen Budget zu fragen. Mit einem Schlag war ich wohl uninteressant und ich habe das Thema erstmal aus den Augen verloren nach diesem Dämpfer.

Heute früh – ich lag auf meiner Sonnenliege auf Ibiza – klingelte mein Handy wieder mit einer unbekannten Nummer. 1&1, ich ignoriere übrigens Eure etlichen Akquiseversuche seit Tagen, weil ich finde, dass 8 (!!!) Anrufe am Stück gar nicht gehen. Das grenzt an Telefonterror und ich unterstelle einfach mal, dass auch Ihr keine Ahnung habt, wer der Geschäftsführer ist.

Aber heute war eine nette Dame dran, Mitarbeiterin einer Bremerhavener PR-Agentur. Sie wusste alles über mich, was das Internet hergab, war freundlich, interessiert und auch ihr Chef wusste alles über mich, denn er hatte sie auf mich hingewiesen und bereits im Vorfeld Ideen entwickelt, was man machen könnte. Check, nächste Woche Termin, alles richtig gemacht.

Meine besten Kunden

Das war bis dato nicht pauschal die sichtbare Upper Class. Ein Herr kam früher stets aus Augsburg nach Stuttgart. In seiner Stadt wurde er abgespeist mit „Die Gebrauchtwagenabteilung ist da drüben“. Was war passiert? Er war Werkstattbesitzer und lief im Blaumann rum. Lieber Verkäufer aus Augsburg, falls Du das liest, der Mann hat zwei Autos gekauft. Ein „Rumpelfahrzeug“ für 73.000,- Euro und ein M6 Cabrio für 160.000,- Euro. Und noch dazu wurde er ein wahrer Freund als Kunde. Du hast was verpasst. Auch meine türkischen Krankenschwestern, die von ihrem zusammengeschmissenen Geld einen 1er BMW kauften, um ihren schwer körperlich behinderten Bruder zuverlässig und sicher herumfahren zu können, wurden Freunde und obendrein schickten sie ihre anderen Freunde – die ihrerseits Geld für mehr hatten. Ein weiterer türkischer Mitbürger stand eines Tages vor meinem Schreibtisch mit den Worten „Ihr Kollege nimmt mich nicht ernst“. Er kaufte das teuerste Auto, welches ich je verkauft habe. Auch er landete vorher offenbar in einer Schublade.

Oh ich hatte viele tolle Kunden-Freunde. Da war der, der verlassen wurde und jemanden zum Reden brauchte. Das Pärchen, welchem ich von einer Finanzierung abgeraten habe, weil ich schon sah, dass das Auto sie auffressen würde. Die Familie, die ihr ganzes Geld in die Fußballkarriere ihrer Tochter steckte. Der Hundebesitzer, für dessen Hund ich zu jedem Besuch schon einen Wassernapf neben dem Schreibtisch stehen hatte. Der Lotse, der an Burnout litt. Der ehemalige Polizist, dessen Nieren den Geist aufgaben und sein letzter großer Wunsch ein Porsche war. Der Großunternehmer, der in ausgelatschten Schlappen den Laden betrat und bei dem alle anderen schon ihre Köpfe senkten und so taten als arbeiteten sie vertieft. Jaja, auch der wollte „doch nur ne Probefahrt ergeiern“. Falsch, er kaufte noch an dem Tag für 140.000,- Euro.

Wer ist nun der perfekte Kunde?

Es ist der, den Du anständig behandelst. Vielleicht ist es sogar der, der selber jetzt nicht kauft, aber Dir seinen ganzen Bekanntenkreis schickt, weil er Dich toll fand. Das beste daran? Du musst gar nicht viel dafür tun – außer normal sein und alle gleich gut behandeln. Sei ein Menschenfreund und betrachte Kunden nicht nur als Gelddruckmaschine, die keine Mühe machen dürfen. Vergiss das Äußere, vergiss Deine Schubladen, mach Dich frei von Vorurteilen, denn diese stehen Dir nicht zu. Achte auf wahre Kaufanzeichen wie Nachfragen, Interesse, etc. und dann gib Gas und vor allem gib Dir Mühe! Und unterschätze niemals die Macht des Empfehlungsmarketing. Ich habe auch viele wohlhabende Geschäftspartner, Freunde und Bekannte. Aber ich würde niemanden empfehlen, mit dem ich selbst unzufrieden war. Gehe zu Deiner eigenen Sicherheit davon aus, dass andere Menschen auch so denken. Mehr gibt es zu diesem Punkt nicht zu sagen, deshalb ist der letzte Absatz auch so kurz 😉