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Hands on – über Floskeln und Beratersprech

Liebe Leser,

in meinen Seminaren werde ich in letzter Zeit so oft gefragt, was ist eigentlich dieses „hands on“? Man liest und hört davon grad extrem viel. Viele trauen sich im laufenden Kurs allerdings auch nicht zu fragen und sich vor allen anderen als unwissend bloß zu stellen. Oder bei Vorstellungsgesprächen, wenn der Personaler fragt, wie man dazu steht. Oftmals wird dieses Attribut sogar schon in der Stellenausschreibung gefordert. Oder man liest es in der „Über uns“ Rubrik eines Unternehmens. Hands on, wohin man schaut. Naja, hier kommt die Antwort: 

Hands on…

ist nichts weiter als ein neudeutsches (so hat mein Opa die englische Sprache immer genannt) Wort für „zupacken“, „machen“, „aktiv“. Nicht Kleckern – Klotzen !!! So lautet die Devise. Wenn eine Firma sich so beschreibt, dann heißt es, dass sich das Unternehmen als sehr pro-aktiv und eigen-initiativ betrachtet. Wenn man solch einen Mitarbeiter sucht, dann sucht man womöglich einen Macher, einen Umsetzer. Jemand, der die Hands-on-Mentalität lebt, bringt unter anderem ein hohes Maß an Einsatz- und Leistungsbereitschaft, Motivation und Erfolgswillen mit. Aber was daraus nicht hervor geht, ist, wie weit diese Eigeninitiative gehen darf. Suchen Sie nun jemanden, der einfach extrem gern extrem viel arbeitet oder jemanden, der Ihren ganzen Laden auf den Kopf stellt?

Warum kann man die Dinge nicht einfach so schreiben, wie sie sind? Das, liebe Leute, weiß ich auch nicht. Für mich sieht das nach einer neuen modernen Worthülse aus, so wie ganzheitlich, nachhaltig, Kundenorientierung, etc. Warum schreiben Sie nicht, was Sie meinen? Was ist hands on oder zum Beispiel nachhaltig für Sie? Ist Ihre Nachhaltigkeit sozialer oder ökologischer Natur? Wollen Sie lange und tiefgehende Kundenbeziehungen oder steht es für Ihr Ökostromzertifikat und Ihren Bio-Kaffee in der Kantine? Man kann ja vieles so oder so verstehen. Aber unter’m Strich wäre doch am effektivsten, Ihr Adressat fühlt sich persönlich damit angesprochen, abgeholt. Das verkürzt gerade im Vertrieb auch unheimlich den Weg zu Ihrem Kunden und somit zu Ihrem Umsatz. Also machen Sie sich Gedanken, was Ihre Zielgruppe erwartet und anlockt und benutzen Sie genau diese Worte!

Das nervt mich übrigens mindestens genauso wie der typische Beratersprech:

„Der CEO will das Diversity Management outsourcen, um die Performance seiner Stakeholder zu pushen. Selfness-Spezialisten müssen auf die Shortlist, damit der Output ihrer Cashcows ein Revival erlebt.“ Aaaaaaaaargh….

So, ich will jetzt mal hands on zurück an meine Arbeit, da kommt grad ein Call rein. Einen schönen Tag noch 🙂

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